Der “Islamische Staat“ (IS) im Irak und in Syrien; seine Herkunft und seine Folgen für die Welt

Wer diese Berichte vom Gesprächskreis „Mühlenberger Gespräche“ regelmäßig liest, der merkt schon bei der Überschrift: „da spricht doch sicher wieder einmal Dr.Wolfgang Kreutzberger“. Ja, so ist es auch. Leider muss ich wieder einmal den Text sehr kürzen, weil ich sonst in Gefahr laufe, dass dieser Artikel nicht veröffentlicht werden kann.

Begriff und Charakter des „Islamischen Staats“

Die herkömmliche Bestimmung eines Staates mit den drei Begriffen „Staatsvolk“, „Staatsgebiet“ und „Staatsgewalt“ erfüllt der „Islamische Staat wenn überhaupt nur sehr bedingt. Islamischer Staat soll heißen, ein Staat, der ausschließlich auf der religiösen Grundlage des Islam beruht und alle als „Irrlehren“ betrachteten Auspräguingen des Islam (wie z.B. die Mystik des Schiitentums), erst recht natürlich alle anderen Glaubensrichtungen oder säkuläre Weltdeutungen unterdrückt.Unter Islam wird also nicht die praktizierte Religion der muslimischen Bevölkerung verstanden, sondern eine fundamentalistische Interpretation: Recht, Sitte und Moral sollen ausschließlich eng am Koran ausgrichtet sein.

Der Islamische Staat beruht nicht auf einer bestimmten Nationalität, sondern auf seiner Funktion als Träger des Jihad, Er bekämpft alle Feinde des „einzig wahren Islam“ nit kriegerischen und terroristischen Mitteln.Der Islamische Staat hat seinen territorialen Anspruch ständig erweitert,vom „Islamischer Staat im Irak“ (Okt.2006) auf „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (April 2013) bin hin zu „Islamischer Staat“ (Juni 2014). Dieser Herrschaftsanspruch bezieht sich auf das gesamte Gebiet der Länder Syrien, Libanon, Israel, Palästina und Jordanien sowie auf einige südtürkische Provinzen, hauptsächlich von Kurden bewohnte Gebiete zwischen Euphrat und Tigris.

Die Ansiedlung von al Qaida im Afghanistan der Taliban-Herrschaft ist der Ausgangspunkt für diejenigen Jihadisten, die nach der Invasion des Irak durch die USA und ihre Verbündeten (März 2003) im Okt. 2004 „alQaida im Irak“ gründeten und sich mit verschiedenen Gruppen des sunnitischen Widerstands gegen die Besatzungstruppen und die sunnitische Regierung zusammentaten. Auch viele von den Amerikanern in Gefängnissen und Lagern festgehaltenen Personen stiessen zu dieser Gruppierung.

Auf syrischem Gebiet, wo die Kämpfer des „Islamischen Staates“ 2013 die nördlichen Gebiete wie eine Lawine überrolten, wurden sie nicht selten als Eindringlinge und grausame Besatzer empfunden. Diese Kämpfer begangen unglaubliche Menschenrechtsverletzungen und das nicht selten vor den Augen der ganzen Welt. So zum Beispiel massierte sexuelle Gewalt, gezielte, ethnisch und religiös begründete Vertreibun-gen, Enrführungen, willkürliche, oft extrem grausame Tötungen /(Köpfen, Kreuzigen), Arbeitssklaverei, Rekrutierung von Kindersoldaten und vieles mehr. Der Islamische Staat ist allerdings weder im Innern so kohärent und gefestigt, wie es den Anschein haben mag, noch bedeckt er eine geschlossene Fläche. Auch ist er in letzter Zeit nicht mehr so expandierend wie bis Mitte 2014. Die Luftschläge der USA in Verbindung mit Saudi – Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten erzielen ihre Wirkungen. Das gilt auch für die Kurdischen Peschmarga Milizen jm nördlichen Irak und und die kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“.

Der Krieg in Syrien ist weitaus mehr als ein einfacher Bürgerkrieg,der bisher weit mehr als 220.000 Menschen das Leben gekostet hat. Darunter mindestens 80.000 Zivilisten. Heute kämpfen sunnitische Isla-misten verschiedener Couleur nicht nur gegen das Regime von Al-Asad und die ihn unterstützenden schiitischen Milizen, sondern auch gegen andere, verfeindete Rebellengruppen. Die Auseinandersetzungen zeigen, dass es hier weniger um unterschiedliche Ideologien geht, als um die Behauptung und Ausdehnung des eigenen Machtbereichs und die Kontrolle über wichtige Ressourcen wie die Ölförderung.

Wir sehen uns wieder am 02. Juni 2015 um 14.00 Uhr an alter Stelle. Dann spricht Michael Klingenberg über das immer noch hochaktuelle Thema „Europa nach Griechenland“. Ich denke, es ist für alle interessant, schon einen Blick voraus auf den 06.Juli zu richten. Dann spricht Wolfgang Kreutzberger über ein schönes Thema: „Die Schlesischen Nachtigallen“. In den Monaten August und September machen wir Ferien. Dazu wünsche ich allen Lesern gute Erholung und nicht zuletzt auch gutes Wetter.

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