Jour fixe zur Lindener Geschichte

In der Reihe wurden verschiedenste Themen der Lindener Geschichte vorgestellt. Die Palette reichte von der Sanierungsgeschichte über die Nachkriegszeit bis zur den legendären Kinderfesten der Fannystraße.

13.12.2010 – „Soziale Stadt oder Schickimickisierung? – Wem gehört die Stadt?“

Nicht nur in Linden wird das Thema „soziale Aufwertung“ oder „Schickimickisierung“ (in der Fachöffentlichkeit: „Gentrification“) diskutiert. Wir wollen in einigen Veranstaltungen das Thema soziale Veränderungen im Stadtteil unter dem Aspekt der Aufwertung betrachten und aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. So wollen wir auch Gäste aus anderen Städten einladen und uns von ihnen berichten lassen, was dort passiert und wie dort mit dem Thema umgegangen wird.

Aber wir wollen uns auch Veränderungen der Sozialstruktur in Linden und den positiven oder negativen Auswirkungen widmen. Gibt es diese Tendenzen überhaupt so ausgeprägt? Wie sind diese festzustellen? Zu wessen Lasten gehen die Veränderungen? In welche Richtung entwickelt sich unser Stadtteil? Wollen wir das?

Eingeladen als Referenten sind mit Tina Fritsche und Georg E. Möller zwei Gäste aus Hamburg von der Initiative „Recht auf Stadt“. „Recht auf Stadt“ ist ein Zusammenschluss von Initiativen und Projekten, die sich kritisch mit der Stadtentwicklung in Hamburg auseinandersetzten. Sie wollen ihr Projekt, ihre Aktivitäten und Erfolge vorstellen. Und wir wollen erkunden, ob und was für uns Linden daran interessant sein könnte.

Moderation: Jonny Peter, Quartier e.V.

Eine Veranstaltung von Quartier e.V., Otto Brenner Akademie und Kulturzentrum FAUST e.V.

in Kooperation mit der Stiftung Leben und Umwelt sowie dem Bürgerbüro Stadtentwicklung sowie dem Freizeitheim Linden


01.11.2010 – „Rote Punkt Aktionen in Hannover 1969: ÜSTRA; ÜSTRA, ungeheuer …“

Im Streit um ÜSTRA-Fahrpreiserhöhungen kam es 1969 zu einer der größten Protestbewegungen, die es je in Hannover gegeben hat. Die Auseinandersetzung wurde auch bundesweit beachtet und befolgt, die wichtigste fand aber in Hannover statt. Autofahrer, die gegen die Fahrpreiserhöhungen protestieren und praktisch angehen wollten, klebten einen roten Punkt an ihr Auto und beförderten andere Personen umsonst in Hannover. Sie bildeten so einen eigenen öffentlichen Personennahverkehr und zwangen die ÜSTRA in die Knie.

Der Rote Punkt symbolisierte den erfolgreichen Kampf einer großen Zahl von Bürgern aller Schichten um die Durchsetzung ihrer Forderung für günstige Preise für ÜSTRA-Fahrkarten. Das Ergebnis war, dass der Rat diesen Wünschen entsprach: JedeR konnte für 50 Pfennig auf allen Strecken der ÜSTRA fahren.

Referent: Prof. Dr. Gerd Weiberg, Berlin

Moderation und Zeitzeuge: Egon Kuhn


04.10.2010 – „Die Geschichte der Fußgängerzone in der Limmerstraße“

Über die zentrale Straße in Linden-Nord, die Limmerstraße, wird immer – meistens heftig – diskutiert. Am „Linden-Boulevard“ wird anscheinend auch immer gearbeitet und gebaut. Aktuell gibt es Diskussionen um die Hochbahnsteige für die Stadtbahn.

Aber die Limmerstraße hat natürlich auch eine Geschichte. Alleine die Entstehung der heutigen Fußgängerzone ist eine lange und spannende Geschichte, an die sich viele Lindener kaum noch detailliert erinnern werden, obwohl seitdem keine zehn Jahre vergangen sind.

Bis Mitte der 1970er Jahre war die Limmerstraße eine der Hauptverbindungsstraßen vom Westen Hannovers in die Innenstadt. Dann wurden an den Straßenbahnhaltestellen Leinaustraße und Küchengarten kleinere Teile der Straße zur Fußgängerzone und dafür die Fössestraße und der Kötnerholzweg zur Ausfallstraße umgebaut.

Vor etwas über zehn Jahren setzte dann eine weitere Diskussion über die Limmerstraße ein, da im Zusammenhang mit Baumaßnahmen an der Stadtbahntrasse insgesamt größere Umbauten nötig wurden und auch Verschönerungen und Verbesserungen im Rahmen der Sanierung durchgeführt werden sollten. Die weitgehende Lösung einer durchgehenden Fußgängerzone zwischen Küchengartenplatz und Kötnerholzweg wurde von den meisten Lindenern zwar gewollt, von den Geschäftsleuten z.B. aber massiv abgelehnt. Nach nicht enden wollenden Streitigkeiten wurde vom damaligen Oberbürgermeister Schmalstieg eine Bürgerbefragung in Linden-Nord durchgeführt, die auch mehrheitlich für die heutige Lösung ausging.

Diese spannende Diskussion wollen wir mit einigen Beteiligten noch einmal Revue passieren lassen.

Referent ist Reinhard Tydecks.

Dazu werden wir einen Film von M7 über die Limmerstraße aus dem Jahre 1987 zeigen.


07.06.2010 – „Geschichte der Viktoriastraße“

mit einem Bilder-Vortrag und Zeitzeugenberichten von Jonny Peter und Klaus Arnecke.

Die ersten Häuser in der Viktoriastraße wurden um 1850 erbaut. Sie ist damit eine der ältesten Wohnstraßen in Linden-Nord. Namensgeberin war Queen Victoria. Die kleine Straße wurde vorwiegend in zwei und zweieinhalbgeschossigen Häusern mit markanten Rundbogenfenstern gebaut. In den Häusern wohnten vor allem Handwerker und ArbeiterInnen. Daneben gab es auch zahlreiche Geschäfte und sogar eine Sauerkraut- sowie eine Gurkenfabrik und ein Kino.

Mitte der 1970er Jahre wurden im Rahmen der Städtebaulichen Sanierung viele Häuser entmietet und leergeräumt. Fast alle Häuser sollten abgerissen werden, um hier Platz für mehr Wohnraum, vor allem aber für mehr Licht, Luft und Sonne, Kinderspielplätze und Tiefgaragen zu schaffen. Geplant war an der Südseite der Straße eine Hochgarage als Riegel zur Fössestraße.

Der Abriss konnte nach zähen Auseinandersetzungen zwischen der Bürgerinitiative Linden-Nord und der Stadt Hannover verhindert werden. Unterstützt wurde die BI dabei von den Bewohnern und vielen Studierenden, der Architektengemeinschaft AGSTA und dem Bürgerplaner sowie den Denkmalschützern.

Die meisten alten Häuser wurden dann beispielhaft modernisiert bzw. die neuen Häuser danach dem Wohnumfeld angepasst gebaut.

Da wir zu viel Material haben, um das alles zeigen zu können, wollen wir nach dem Vortrag eine Arbeitsgruppe bilden, in der BewohnerInnen mit uns zusammen die Geschichte der Straße ausführlich aufarbeiten können. Der Termin wird auf der Sitzung bekannt gegeben.

Zusätzlich zum Vortrag findet am Samstag, den 12.6. um 16 Uhr ein Rundgang durch die Viktoriastraße (ab Limmerstraße) statt, in dem über Geschichte vor Ort informiert wird.


03.05.2010 – „Linden 1945″

Zuerst wird der Film „Niedersachsen 1945 – Letzte Gefechte und Neubeginn“ der Inter-Pathe-Media gezeigt. Dauer: 45 Minuten:

April 1945, die USA rückten unaufhaltsam auf Hannover vor. Hannover war in eine Trümmerwüste verwandelt. Als die US-Truppen am Morgen des 10.4.1945 durch die Limmerstraße fuhren, sahen sie die gelösten Gesichter der Menschen. Hier und da flogen Kaugummis und Bonbons in die Menge. Aufmerksamkeiten, die die Kluft zwischen Siegern und Besiegten überbrücken sollten. Daneben wird das Kriegsende auch in anderen niedersächsichen Städten gezeigt.

Nach dem Film wird der Zeitzeuge Horst Bohne berichten. Horst Bohne, Jahrgang 1929, ist ein Lindener Butjer, der die letzten Wochen in Linden vor dem Einmarsch der Amerikaner beschreibt: Luftalarme, Schulbetrieb, Versorgungslage und die Vorbereitungen für die „Verteidigung“ Hannovers. Nach dem den Einmarsch der Amerikaner beschreibt er die ersten Monate nach der Befreiung.

Moderation: Egon Kuhn und Jonny Peter


12.04.2010 – „Die Lindener Butjerfeste und Festkultur in Linden“

DieFannystraße war legendär in Linden – in Positivem wie im Negativen. Für die einen war sie das dunkelste Viertel in ganz Linden, andere sprechen immer noch gerne von dem starken Zusammenhalt in dieser Straße der armen TextilarbeiterInnen und von deren großartigen Kinderschützenfesten.

Die Fannystraße war eine der ersten Wohnstraßen in Linden-Nord. An ihr entstanden ab 1850 und dann 1870 zwei Werkssiedlungen für die Mechanische Weberei (heute: Ihmezentrum) und die Hannoversche Baumwollspinnerei (heute: Heizkraftwerk).

Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts soll es die ersten Nachbarschaftsfeste in der Fannystraße gegeben haben. Die Blütezeit war in den 1920er Jahren. Aus den Festen waren die sog. Kinderschützenfeste geworden.

In der Nazizeit wurden sie ausgesetzt. 1949 wurden die Kinderschützenfeste von Anni und Fritz Röttger wieder ins Leben gerufen, bis sie 1965 erneut eingestellt wurden, weil die Fannystraße abgerissen werden sollte. 1972 entstanden hier die heute sogenannten Toblerone-Häuser.

1978 nahm das Freizeitheim Linden mit seinem Leiter Egon Kuhn, tatkräftig unterstützt u.a. von Anni und Fritz Röttger, die Tradition auf und führte die nun Lindener Butjerfeste genannten Stadtteilfeste wieder durch. Erst vor wenigen Jahren beendetet das Freizeitheim Linden diesen Brauch.

Welche Bedeutung hatten die Feste für Linden? Warum gibt es sie nicht mehr? Welche Art von Festen braucht Linden?

Neben einem Kurzfilm informieren und moderieren Egon Kuhn und Ruth Schwake

Jonny Peter, Vorstand Quartier e.V.


 

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